Was ist eigentlich  Bluegrass?  

Die Frage, was Bluegrass eigentlich ist, wird schneller gestellt als beantwortet. 

Versuchen Sie mal, Folkmusic oder Jazz zu definieren! Oder Countrymusic - kommt die etwa nur vom "Lande"? Schwer wird es sicherlich, wenn wir für Bluegrass genaue Grenzen ziehen wollen, aber auf jeden Fall ist Bluegrass ein wesentlicher Teil der amerikanischen Folksmusik, gespielt von Weißen und mit bestimmten Instrumenten. 

Meistens mit Gitarre, Mandoline, Banjo, Bass und einer Geige, Harmonikas oder auch ein Dobro sind oft oder auch selten dabei. Ein Schlagzeug ist traditionell verpönt, E-Gitarren sind ein Sakrileg. Natürlich könnte man mit diesen Instrumenten auch andere Musik als Bluegrass spielen, andererseits lässt sich mit den Instrumenten eines Streicherquartetts oder einer Dixielandband kein Bluegrass spielen. Was aber Bluegrass unverwechselbar macht, ist das fünfsaitige Banjo, und das kommt auch noch aus Afrika. Der Zusatz der 5. Saite war die Arbeit von Weißen, aber Bill Monroe, allgemein anerkannt als "Father of Bluegrass", war anfangs keineswegs von der Unentbehrlichkeit des Banjos in "seiner" Musik überzeugt. Erst nach der Entwicklung des "Clawhammerstyle" zum 3-Finger-Picking-Style des legendären Earl Scruggs Ende der 40er / Anfang der 50er Jahre wurde das 5-String-Banjo ein treibendes Instrument und prägte wie kein anderes insbesondere die schnellen Bluegrass-Stücke und war spätestens nach dem Film Bonny and Clyde weltberühmt geworden.

 Viele Mentalitäten gerade aus der Einwandererzeit, wie Irland, Schottland, der Schweiz, Deutschland und slawischen Ländern, beeinflussten die Entstehung des Bluegrass, der sich letztendlich organisiert durch Bill Monroe aus der Oldtime-Music fortsetzte. Zum Bluegrass gehört natürlich auch der Gesang und der hat es meistens in sich. Sologesang ist eher die Ausnahme, Harmoniegesang überwiegt, vor allem in den Refrains. Zur Qualität einer band gehört auch, dass sie mehrere Leadsänger hat - und natürlich singen die Musiker selbst oder umgekehrt: die Sänger spielen ihre Instrumente selbst. Da gibt es kein Begleitorchester oder gar ein Playback! "Live und unplugged" war und ist im Bluegrass immer selbstverständlich.

 Die besungenen Themen waren und sind ja meistens auch immer "unplugged". Liebe, Entbehrung, Armut, harte Arbeit, religiöse Themen und die Ferne sind die Schwerpunkte bei den Texten, friedlich, bescheiden, manchmal lustig und traurig zugleich. Kein Wunder, wenn die Zeiten, als zahlreiche Bluegrass-Songs entstanden, voller Entbehrung und Einfachheit waren. Von der Landbevölkerung Kentuckys, Virginias, Tennessees über die Arbeiterbewegung, Studenten- und Folkfestivals bis zur heutigen Newgrassära zieht sich der Bluegrass, die Musik, wo im Geburtsland tatsächlich in der untergehenden Abendsonne und bei Tau am Morgen das Gras bläulich schimmert, eben "Blue Grass".


... aus dem Buch "Bluegrass Musik mit Zukunft" von Eberhard Finke, dem Herausgeber der 


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